Die Klugheit der Tiere

…ist nicht zu verwechseln mit dem, was Fabelautoren aus den Tieren machen; dabei denke ich an „belehrende“ Fabeln wie La Fontaine’s „Esel und der Hund“ oder „Amor und die Torheit“. Anders dagegen bei Äsop; die Geschichte von der „Krähe und der Wasserkrug“ wird von Simplicius aufgegriffen, wobei er als Urheber „Plutarchus“ angibt – da irrt er.

Aber lest selbst:

„Ihr Menschen verwundert euch über den Raben, von welchem Plutarchus bezeugt, daß er so viel Stein in ein Geschirr, so halb voll Wasser gewesen, geworfen, bis das Wasser so weit oben gestanden, daß er bequemlich hab trinken mögen.“

Eine Krähe litt unter der Dürre im Sommer und suchte dringend Wasser zum trinken. Da sah sie einen Krug; hinfliegen und reinschauen war eins. Aber was war das – der war ja nur halbvoll; da kam sie nicht dran mit ihrem Schnabel. Das Ding umwerfen ging auch nicht – es war viel zu schwer. Beim Menschen würde man sagen: nun überlege, was zu tun ist? Plötzlich flog sie los auf einen Steinhaufen, nahm zwei Steine in den Schnabel und flog zurück zum Krug. Reinwerfen, wieder neue Steine holen, reinwerfen solange, bis das Wasser am oberen Rand erschien. Nun konnte sie genüsslich trinken, ihren Durst stillen. Was war geschehen?

(Foto: ProjektGutenberg/etext19994)
Die Erklärung

Wissenschaftler um Christopher Bird an der Cambridge Universität wollten herausfinden, ob Äsop recht hat. Zunächst setzten sie Saatkrähen Gefäße vor, die unterschiedlich hoch mit Wasser gefüllt waren. Immer befand sich unter der Wasseroberfläche ein Wurm, den die Rabenvögel nicht erreichen konnten. Als man den Tieren Steine hinlegte, begannen sie, diese ins Wasser zu werfen, um den Wasserspiegel zu erhöhen, bis sie den Wurm erreichen konnten. Aber damit nicht genug: man legte nun Steine verschiedener Größe daneben; und was taten die Krähen? Sie nahmen jetzt die größten Steine, denn diese verdrängten mehr Wasser und damit kamen sie schneller an den Wurm.

Fazit

Rabenvögel gehören zu den klügsten Köpfen im Vogelreich. Sie können zählen, Werkzeuge nutzen und vorausschauend planen.  Ein Grund dafür, warum die Vögel so schlau sind, könnte in ihrer langen Kindheit liegen. Denn manche Rabenvögel bleiben sehr lange bei ihren Eltern – und haben so viel Zeit, in beschütztem Rahmen auch komplexe Dinge zu lernen.

„…wurde ihnen ins Nest gelegt“ – heißt es.

Andererseits sagt Marie Luise Kaschnitz:

„Ganz und gar lebendig zu sein, ganz und gar Mensch und wirklich wach zu sein, bedeutet, unaufhörlich aus dem Nest geworfen zu werden…“

Wahrscheinlich stimmt beides – „..alles zu seiner Zeit“!

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Author: Über die Klugheit der Tiere

Nach langen Wanderungen auf den Jakobswegen (siehe www.jakobsweg-der-freude.info) bin ich jetzt „Anwalt“ kluger Tiere – und am besten fühle ich mich als Teil der Natur...

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