Offener Brief der Tierwelt

Wir Tiere haben – wie der Mensch – eine Wahrnehmung, eine „sinnliche Vorstellung“ von Lust und Schmerz, fühlen was gut tut – und was nicht.

(Foto: Welt.de)

„Das Streben, Leid zu vermeiden, das eigene Leben zu entfalten, entspringt allen Lebewesen; es ist ihr Ziel, unabhängig von (menschlichen) Interessen. Der wesentliche Unterschied zwischen Mensch und Tier kann im „vernünftigen Seelenteil“ liegen, der mehr sein sollte als instinkt-, trieb- oder gefühlsgeleitet“.

Der Mensch sollte ein vernunftbegabtes Lebewesen sein, das mit der Tierwelt nicht nur die „physiologischen Mechanismen“ teilt, sondern mit seinem sinnlichen und geistigen Vermögen „..in der Mitte zwischen Gott und den Tieren steht, sich nach beiden Seiten neigt und seine besten Kräfte betätigt“. Das ist es, was den Mensch vom Tier unterscheiden kann. Und diese „Bewusstheit“ beim Menschen ermöglicht ein vernünftiges Zusammenleben mit den Tieren.

Fazit: Verstehen – und weitersagen…

(Quelle: Aristoteles, De Anima; akademie-rs.de-naturwissenschaft)

Betrachtet die Vögel des Himmels…

Was wären diese Beiträge wert, wenn sie nicht zu einer „Aufklärung“ der Tiere über Menschen führten;  deshalb noch mehr über uns – frei nach de Mello.

Da hatte einer entdeckt, dass es ganz einfache Dinge sind, die den Menschen glücklich machen, wie Selbst- und Nächstenliebe, aber auch Hinweise gab wie dieser: „Betrachtet die Vögel des Himmels, sie sähen nicht…“  – konträr zum falsch interpretierten „Macht euch die Erde untertan..

(Foto: youtube.com-channel)

Mit diesem gesunden Menschenverstand ging er zu einfachen Leuten, zu Hungernden, Kranken und Armen, verkündete die „Frohe Botschaft“ in seinem Dorf, besuchte weitere Wohnstätten und auch dort war man froh und wollte ihm danken, aber er war schon weiter gezogen. Ihm lag nicht an Anerkennung oder Dank – ihm war ihr Wohlergehen wichtiger.

So erfuhren alle davon und auch die „Schriftgelehrten“ hörten es, die aber mit der Sorge, ihr Ansehen würde beschädigt – und sie beschlossen, ihn umzubringen. Das hätte übel ausgehen können, denn neben dem „Volk“ gab es auch Menschen, die ihren Wohltäter vermissten. Also fertigten sie ein Bild des Mannes, stellten es auf den Altar im Tempel, und leiteten die Leute an, das Bild zu verehren. „Verehrung und Kult“ – anstatt die „Frohe Botschaft“ zu leben.

Fazit:

„Gott-sei-Dank“ brauchen Tiere keinen Kult – sie leben die „Frohe Botschaft“ der Natur…

Mein Jacq könnte viel erzählen

Bleiben wir noch ein wenig bei de Mello; sein Buch „Bewusstsein“ hat mich und meinen Hund in schönen, aber auch schwierigen Phasen begleitet. Das hättet ihr erleben sollen, wie er am Abend nach gemeinsamen Wanderungen neben mir saß mit gespitzten Ohren, wenn ich ihm daraus vorgelesen habe – etwa so:

„Betrachte mich nach der Devise: kein Urteil, kein Kommentar, keine Stellungnahme; beobachten, ansehen ohne den Wunsch, etwas zu verändern.” Das haben Tiere den Wissenschaftlern empfohlen, wenn sie etwas über sie erfahren wollten. Einfach nur beobachten; keine Versuche, sie zu dressieren oder irgendetwas anderes mit ihnen anzustellen.

Ich habe es ausprobiert; mit dieser Einstellung im Umgang mit anderen Menschen oder Situationen erlebte ich eine Veränderung bei mir, die einfach geschah, ohne etwas dafür zu tun.

Es entwickelt sich eine Form der Bewusstheit, des „Wachwerdens“ – und schafft sich eine eigene Disziplin…

UnTier? – UnSinn!

Unsinn ist das Gegenteil von Sinn – ein „…von Substanz und Logik gelöster Sinn“. So gesehen müsste ein Untier völlig verschieden sein „…von Substanz, Sinn und Logik der Tiere.“ – Das wird niemals zutreffen; die Wissenschaft bestätigt: „Ein Tier kann nie anders sein als es selbst.“

Das „Untier“ existiert nur in der menschlichen Phantasie; aber man hört viel von Unmenschen, die Böses tun…

(Foto: geo-geolino-de)

 „Ein Mensch, der sein Leben wirklich lebt, könnte sich an der Disziplin der Tiere orientiert haben: ein Tier isst nie zu viel, in seiner natürlichen Umgebung wird es niemals zu dick, es würde nie etwas essen, was seiner Gesundheit schaden könnte (sagte schon Simplicius). Es würde niemals Zigaretten rauchen, bewegt sich so viel wie es braucht. Beobachten Sie eine Katze nach ihrer Mahlzeit, sehen wie sie ausruht – und wie sie mit einem Sprung in Aktion ist; das haben wir verloren…“

Quelle: de Mello – Awareness/Bewusstsein; Doubleday-Inc.

Die Menschen von heute sind „Kopf gesteuert“, haben sich an ihren Ideen und Idealen festgebissen; ständig heißt es „weiter, weiter“. Klappt es nicht wie geplant, leiden sie an „Inneren Konflikten“, machen sich Vorwürfe, plagen sich mit Schuldgefühlen.

All das kennen Tiere nicht…

Sich selbst im Weg stehen..

…gibt es bei Tieren nicht; Innere Konflikte, den „inneren Widerspruch“? Pläne? Vorurteile? – all  das kennen Tiere nicht. Und sie brauchen keine Erklärung für selbstverständliche Dinge.

Schau mir in die Augen…

Was Wissenschaftler „intelligent“ ausdrücken, wissen wir schon lange – so wie das hier: „Ein Tier kann nicht böse sein...” – Und dann kommen sie zum Wesentlichen:

„Untersuchungen haben gezeigt, dass die Hirn-Areale, die beim Menschen entscheidend für das Entstehen von Emotionen sind, nicht erst in den letzten Schritten unserer Evolution entstanden sind. Vielmehr handelt es sich um „alte“ Strukturen, die wir mit allen Säugetierarten teilen.“

(Quelle: ethologisch.de-haben-tiere-gefuehle)

Diese „Hirn-Areale“ sind für die gleichen Aufgaben verantwortlich; die Teile des Gehirns, die beim Menschen aktiv wirken, tun dies auch bei Säugetieren. Bleibt die Frage nach dem subjektiven Empfinden.

Aber ist Empfinden – das Gefühl – nicht das Wesentliche an einer Emotion!

Fazit

Tiere leben die Liebe (gr. Storge und Philia); sie leben Freude und Freundschaft, die höchste Form der Liebe…

Der Götter „Nutz“-Tiere

Tiere als göttliche Begleiter gibt es seit Menschengedenken – im wahrsten Sinne des Wortes. Aus dem Zweistromland von Euphrat und Tigris kennt man sie, in naturgetreuen Abbildungen: den Löwen der Istar, den Stier des Wettergottes Adad und den Hund der Gula. Dann hat man noch den Löwenadler von Ningirsu und den Stiermenschen als Gott Utu/Samas entdeckt.

(Foto Pergamon-Museum Berlin)

Später spielt die Darstellung „starker“ Tiere bei der Inszenierung von Königen und Fürsten eine wesentliche Rolle – als “Symbole der Macht und Würde”. Und auch die vier Evangelisten brauchten sie; ihnen hat der Kirchenvater Hieronymus im 4. Jh diese Symbole „zugeordnet“: der Löwe steht für Markus, der Stier für Lukas, der Adler für Johannes und der Mensch für Matthäus.

Er sah “..im Menschen die Weisheit, im Adler Erhabenheit der Gedanken, im Stier (der das Joch trägt) Fügsamkeit und Geduld, im Löwen Mut und Kraft”

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Quelle: www.podcast.de/das-tier-in-kult-und-religion

Tiere als Türöffner..

…für Menschen, deren Biographie und Lebensweg es ihnen schwer macht, sich anderen Menschen zu öffnen. Wir haben gelesen:

„..dass Tiere eine Seele – und Pfoten, Flügel, Flossen, Hufe haben statt Hände; dass es Wesen sind, die vielschichtig mit uns kommunizieren können – über Laute, Mimik, Gestik, Berührung.“

Quelle: tierkommunikation.de

Die tiergestützte Psychotherapie wird angewandt bei Trauma, Ängsten, Zwängen und Schlafstörungen; ein weiterer empfehlenswerter Einsatzbereich ist bei psychologischen Auffälligkeiten und psychischen Erkrankungen. So können Tiere eine psychologische Begleitung im Zuge der Behandlung einer schwerwiegenden Grunderkrankung sein.

Welches Tier das geeignete ist und wie sich die therapeutische Arbeit gestaltet, sollte individuell entschieden werden…

Tiere öffnen Herzen

„Sie helfen körperbehinderten Kindern, psychisch kranken Menschen oder von Demenz Betroffenen: Tiere werden immer häufiger als Co-Therapeuten eingesetzt. Die Wirkung ist oft erstaunlich – und wenn es nur ein Lächeln ist, das kurzzeitig das Leiden vergessen lässt.“

br.de/Tom Fleckenstein
Foto: br.de/fernsehen
Menschen mit Kontakt zu Tieren..

…leben gesünder; sie sind ausgeglichener, fröhlicher und neigen seltener zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Tiere senken den Blutdruck und lösen psychische Blockaden, sie steigern das gesamte Wohlbefinden und geben seelischen Halt, sie wirken kreislaufstabilisierend, schmerzlindernd und muskelentspannend.

Die psychische und emotionale Wirkung eines Tieres ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche Therapie. Tiere fragen nicht nach Aussehen, Intelligenz, Status und Einkommen; sie bilden eine Brücke, Betroffene fühlen sich angenommen, Selbstbewusstsein wird gestärkt, Sozialverhalten wird geübt, Misserfolge überwunden.

Neue Impulse und Motivationssteigerung werden erfahren, Verzeihen gelernt…

Tiere und Therapie – klingt logisch

Nach wiktionary bedeutet Logik „schlüssig, vernünftig, widerspruchsfrei“; diese Attribute stehen für Tiere in der Therapie. Man muss sich fragen: “Wieso hat der Mensch so lange gebraucht, um diesen Zusammenhang zu erkennen?”

In den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts hat Boris M. Levinson in Sitzungen mit Kindern Hunde eingesetzt und die Erfolge in einem Artikel mit dem Titel „Der Hund als „Co-Therapeut“ auf einem Treffen der American Psychological Association vorgestellt. Dabei war die Entdeckung der „Wirksamkeit“ eher zufällig – beim Einsatz des eigenen Hundes bei einem Kind, zu dem er zuvor nur schwer Zugang gefunden hatte.

Foto: paediatricum.net/tiergestuetzte-therapie

Ziele der tiergestützten Therapie sind, die körperlichen, kognitiven und emotionalen Funktionen wiederherzustellen und zu erhalten, die Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Durchführung von Aktivitäten und Handlungen zu fördern und das Einbezogen sein in die jeweilige Lebenssituation und das subjektive Wohlbefinden zu verbessern.

Damit soll erreicht werden, dass der einzelne Mensch in unterschiedlichen Lebensbereichen seinen Fähigkeiten entsprechend agieren und partizipieren kann.

Und was sagen die Tiere dazu?

Wir sind unvoreingenommen, wir scheren uns nicht um körperliche oder seelische Makel und nehmen die Menschen so an, wie sie sind. Wir verurteilen nicht, wir urteilen nicht und freuen uns über jeden Menschen, ob groß oder klein, schnell oder langsam. Wir reagieren auf Körpersprache, auf die Stimme, auf die Augen – und antworten freudig…

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Quellen: paediatricum.net/tiergestuetzt-therapie; at-tiergestuetzte-therapie; risthof-therapie.de

Domestizierung – Prozess der Veränderung

Wölfe geraten sich öfter in die Haare als Hunde, versöhnen sich danach aber rasch wieder; Hunde hingegen meiden einander nach einem Konflikt. Während bei den Wölfen sechs von zehn Konflikten ohne Körperkontakt durch reines Drohen, Nachlaufen und Hinschnappen gelöst werden, reagieren die Hunde im Regelfall mit tätlichen Angriffen wie Beißen und Niederstoßen.

Foto: br.de-kinder-lexikon

Die Fähigkeit, sich schnell wieder auszusöhnen, ist für Wölfe viel wichtiger als für ihre domestizierten Verwandten. Die Unterschiede entstanden wohl durch die «Haustierwerdung», die Hunde von sozialen Pflichten untereinander entbindet.

Die Forscher nennen dies «unverbindlich sozial». ..

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Quelle: Wolf Science Center; GEO-wissen

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