Tiere und Therapie – klingt logisch

Nach wiktionary bedeutet Logik „schlüssig, vernünftig, widerspruchsfrei“; diese Attribute stehen für Tiere in der Therapie. Man muss sich fragen: “Wieso hat der Mensch so lange gebraucht, um diesen Zusammenhang zu erkennen?”

In den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts hat Boris M. Levinson in Sitzungen mit Kindern Hunde eingesetzt und die Erfolge in einem Artikel mit dem Titel „Der Hund als „Co-Therapeut“ auf einem Treffen der American Psychological Association vorgestellt. Dabei war die Entdeckung der „Wirksamkeit“ eher zufällig – beim Einsatz des eigenen Hundes bei einem Kind, zu dem er zuvor nur schwer Zugang gefunden hatte.

Foto: paediatricum.net/tiergestuetzte-therapie

Ziele der tiergestützten Therapie sind, die körperlichen, kognitiven und emotionalen Funktionen wiederherzustellen und zu erhalten, die Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Durchführung von Aktivitäten und Handlungen zu fördern und das Einbezogen sein in die jeweilige Lebenssituation und das subjektive Wohlbefinden zu verbessern.

Damit soll erreicht werden, dass der einzelne Mensch in unterschiedlichen Lebensbereichen seinen Fähigkeiten entsprechend agieren und partizipieren kann.

Und was sagen die Tiere dazu?

Wir sind unvoreingenommen, wir scheren uns nicht um körperliche oder seelische Makel und nehmen die Menschen so an, wie sie sind. Wir verurteilen nicht, wir urteilen nicht und freuen uns über jeden Menschen, ob groß oder klein, schnell oder langsam. Wir reagieren auf Körpersprache, auf die Stimme, auf die Augen – und antworten freudig…

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Quellen: paediatricum.net/tiergestuetzt-therapie; at-tiergestuetzte-therapie; risthof-therapie.de

Domestizierung – Prozess der Veränderung

Wölfe geraten sich öfter in die Haare als Hunde, versöhnen sich danach aber rasch wieder; Hunde hingegen meiden einander nach einem Konflikt. Während bei den Wölfen sechs von zehn Konflikten ohne Körperkontakt durch reines Drohen, Nachlaufen und Hinschnappen gelöst werden, reagieren die Hunde im Regelfall mit tätlichen Angriffen wie Beißen und Niederstoßen.

Foto: br.de-kinder-lexikon

Die Fähigkeit, sich schnell wieder auszusöhnen, ist für Wölfe viel wichtiger als für ihre domestizierten Verwandten. Die Unterschiede entstanden wohl durch die «Haustierwerdung», die Hunde von sozialen Pflichten untereinander entbindet.

Die Forscher nennen dies «unverbindlich sozial». ..

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Quelle: Wolf Science Center; GEO-wissen

Tiere und „Streitkultur“

„Mit dem Begriff “Menschlichkeit” beansprucht Homo sapiens die Alleinvertretung für alles Gute auf der Welt; Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit, Gerechtigkeit, Freundschaft, Fairness, Versöhnung wollen wir allein uns selbst verdanken und nicht etwa der Natur.

Dabei sind moralische Empfindungen älter als unsere Spezies”.

So haben Verhaltensforscher „Versöhnung“ bei vielen Tieren wie Affen, Wildziegen, Delfinen, Fleckenhyänen, Saatkrähen und Raben nachgewiesen; sie alle suchten nach einem Konflikt die gegenseitige Nähe, um wieder Frieden zu schließen. Mindestens fünfmal täglich gab es Streit im Gehege – und fast ebenso regelmäßig sanken die Gegner einander kurz danach wieder in die Arme.

Foto: pinimg.com/originals

„Würden „Außerirdische“ auf unserem Planeten nach moralischem Verhalten suchen, wer weiß, ob der Mensch dabei wirklich am besten abschnitte…  Sie würden ein paralleles Universum sehen, in dem Primaten zusammenhalten, soziale Gruppen bilden, einander durch Küsse, Sex, Umarmungen und Fellpflege ihre Zuneigung beweisen und durch wechselseitige Hilfe ihre Lebensqualität verbessern… Einzelne, meist weibliche Tiere betätigen sich als Friedensstifter der Gemeinschaft und vermitteln zwischen grollenden Gegnern, die es nicht schaffen, den ersten Schritt zu tun.“

Selten ertrugen sie es, einander länger böse zu sein…

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Quelle: Uta Henschel-morgenpost.de/Frans de Waal/Emory University Atlanta

Zu „höheren Stufen des Seins“

Maulana Dschelaleddin Rumi (1207-1273), Dichter und Mystiker – hier beschreibt er seine Sicht:

Foto: br.de/radio/bayern2

Siehe, ich starb als Stein und stand als Pflanze auf,
Starb als Pflanz‘ und nahm drauf als Tier den Lauf,
Starb als Tier und war ein Mensch. Was fürcht‘ ich dann,
Da durch Sterben ich nie minder werden kann?
Wieder, wenn ich werd‘ als Mensch gestorben sein,
Wird ein Engelsfittich mir erworben sein,
Und als Engel muss ich sein geopfert auch,
Werden, was ich nicht begreif, ein Gotteshauch…

Seelen führen danach zu „höheren Stufen des Seins“…

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(Quelle: treffpunkt-philosophie.de/haben-tiere-eine-seele/)

… last but not least

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) gelang es im Rahmen seiner naturwissenschaftlichen Studien, die ursprüngliche Gemeinschaft allen menschlichen und tierischen Lebens nachzuweisen. In einem Brief resümiert er: „… daß man nämlich den Unterschied des Menschen vom Tier in nichts einzelnem finden könne. Vielmehr ist der Mensch aufs nächste mit dem Tier verwandt. Die Übereinstimmung des Ganzen macht ein jedes Geschöpf zu dem, was es ist, und der Mensch ist Mensch so gut durch die Gestalt und Natur seiner oberen Kinnlade, als durch Gestalt und Natur des letzten Gliedes seiner kleinen Zehe…“

(Foto: ProjektGutenberg/etext19994)

Auch Wilhelm Wundt (1832-1920) tritt entschieden gegen die Erhebung menschlichen Lebens über tierisches; Unterschiede zwischen Mensch und Tier sind nur graduell: „Die Thiere sind Wesen, deren Erkenntnis von der des Menschen nur durch die Stufe der erreichten Ausbildung verschieden ist. Alle beseelten Organismen bilden eine Kette gleichartiger, die fest zusammenhängen, in der nirgends eine Lücke bleibt“. Das geistige und seelische – gleichermaßen vorausgesetzte – Leben der Tiere entspricht dem der Menschen und ist je nach Lebewesen mehr oder weniger ausgeprägt: „Daß viele Thiere auch Mittel der geistigen Verständigung, eine Zeichen oder Lautsprache, besitzen, ist ebenso sicher.“

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Arnold Gehlen (1904- 1976); der zentrale Punkt im Denken Gehlens ist die Idee, der Mensch sei ein “Mängelwesen“. Er macht Tiere zum Maßstab des Menschen, vergleicht die menschlichen Fähigkeiten mit den tierischen und resümiert, dass dem Menschen die Spezialisierungen fehlen, mit welchen andere Lebewesen ihr Überleben zu sichern vermögen: „Der Mensch ist nicht wie die Tiere von Geburt an mit Instinkten ausgestattet. Ferner mangelt es ihm an einer organischen Ausstattung, die ihn vor Kälte, Hunger und Feinden schützt. Unter urtümlichen Bedingungen müsste er …als bodenlebend inmitten der gewandtesten Fluchttiere und der gefährlichsten Raubtiere schon längst ausgerottet sein“.

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Quelle: https://refubium.fu-berlin.de/

Tier und Seele – ad 3

Karl Christian Friedrich Krause (1741-1832) ist der erste Philosoph, der ein Tierrechtssystem artikulierte. Ausgangspunkt seiner Philosophie ist der Glaube an die Integration von Mensch und Tier in einer Welt, die von Gott durchzogen ist (ähnlich Herder, Schleiermacher und die Neoplatoniker). Das Tier erhält bei Krause zunächst den selben Status wie der Mensch, den des lebenden, selbst bestimmten und selbst erkennenden Wesens. Die Einbettung der Tiere in das göttliche Weltgefüge macht sich nach Krause derart bemerkbar, dass Gott ihnen unmittelbar als „liebende, erbarmende, vorsorgende, rettende Vorsehung“ gegenwärtig ist.

Edward Hicks © Wikipedia

Der zentrale Gedanke des Naturwissenschaftlers und Philosophen Johann Gottfried Herder (1744-1803) zur Beziehung zwischen Mensch und Tier basiert auf dem Glauben an eine Analogie unter den Geschöpfen. Alle Lebewesen sind nach Herder in Körperbau und Lebensvorgängen, anatomisch und physiologisch, ähnlich und nach einem Prototyp gebildet. Alle Arten von Lebewesen sollen nicht gleichzeitig, sondern vielmehr stufenweise erschaffen sein. Eine bestehende Art ist also die Existenzgrundlage für die nächste, sodass die Lebewesen aufeinander aufbauen. (siehe „Der Evolution letzte „Weisheit“)

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Fortsetzung folgt

Kluge Tiere – Auditorium Tag 2

Voltaire (François Marie Arouet, 1694-1778) sagt: Tiere und Menschen sind gleichermaßen beseelt und denkend, haben Vorstellungen, Willen und Gedächtnis. „Weder die Sonne, noch die Schnecke, die Auster, der Hund, der Affe oder der Mensch haben sich von dem, was sie besitzen, irgend etwas selbst geben können; damit ist offenbar, daß sie alles empfangen haben. Der Mensch und der Hund sind ohne ihren Willen von einer Mutter geboren worden, die sie unfreiwillig in die Welt gesetzt hat…. Beide saugen an der Mutterbrust, ohne zu wissen, was sie tun… Jede Kreatur hat ihren eigenen Sinn und Zweck. Jedes Geschöpf hat seinen Stellenwert.“

Foto: Señor GIF

Ausgehend von diesen Überzeugungen kritisiert Voltaire die menschliche Überheblichkeit, welche die eigene Gattung stets über andere Wesen stellt. Nur der menschliche Hochmut habe hervorgebracht, dass der ursprünglich bei Mensch und Tier gleichermaßen verwendete Seelenbegriff nun für die Tiere als “substanzielle Form“ verstanden wird, während sich der Mensch durch eine einzigartige Seele abgrenzen will .

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Julien Offray de la Mettrie (1709 –1751) stellt in seinem Werk “L`homme-maschine“ aus dem Jahre 1748 (ausgehend von vergleichenden anatomischen Studien) eine weitgehende Übereinstimmung des menschlichen und tierischen Körpers fest. Eine Hierarchie innerhalb der Lebewesen existiert für ihn nicht, je nach Untersuchungsgegenstand sind Tiere hier mehr, dort minder befähigt als Menschen. In ihrer Grundsubstanz sind beide Lebewesen gleichartig: „Der Mensch ist aus keinem kostbaren Ton gebildet; die Natur hat einen und denselben Teig verwandt..“

Aus seinen Beobachtungen des tierischen Verhaltens folgert de la Mettrie auf ein Vorhandensein von Empfindungen wie Gewissen, Schmerz, Freude und selbst Mitleid. Ihren natürlichen Gaben zufolge hält der Autor es für denkbar, dass Tiere wie der Mensch über Denkvermögen und Empfindung verfügen. Durch den Glauben an identische Empfindungsqualitäten bei Mensch und Tier gelangt er zu der Auffassung, der Mensch sei nichts anderes als ein Tier in Menschengestalt: „Denn gerade diese starke Analogie zwingt alle Gelehrten und wahrhaft Urteilsfähigen zu dem Eingeständnis, daß diese stolzen und eitlen Wesen, die sich mehr durch ihren Dünkel als durch ihren Namen “Mensch“ unterscheiden, im Grunde nichts anderes als Tiere und senkrecht kriechende Maschinen sind, sogern sie sich auch darüber erheben möchten“.

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Fortsetzung folgt

„Philosophen“ über Tiere und ihre Seele

Cogito, ergo sum“…

…klingt wie ein Schlachtruf – drückt einen Anspruch aus: „Ich denke, also bin ich. Doch hier hat er es mit Klugen Tieren zu tun; die antworten mit einem „Errare humanum est – Irren ist menschlich“.  „Quod esset demonstrandum – Was zu beweisen wäre“ – sagen sie, und bitten das „REFUBIUM der Freien Universität Berlin“ um Unterstützung.

Ihr solltet die nun folgenden Beiträge lesen – und sehen, wie sich die “Erkenntnis” von Generation zu Generation zu Gunsten der “Tierseele” wendet. Am Ende bekommt der Mensch mehr Kritik, als ihm gut tut. Es wird spannend…

Beginnen wir mit René Descartes (1596-1650); Tier- und Menschenseele sind nach seiner Meinung von „ganz verschiedener Natur“, da die menschliche Seele vom Körper getrennt existiert und unsterblich sei. In Tieren sieht er lediglich gefühllose Automaten, er vergleicht sie mit Uhrwerken, welche nach vorgegebenen Prinzipien fungieren.

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Spinoza (1632-1677) dagegen unterscheidet die Lebewesen in ihrer arteigenen Natur und spricht den Tieren Seele und Empfindung zu. Der Mensch erhält aufgrund seiner “Andersartigkeit“ eine Sonderstellung, eine von der Natur geregelte und vorgegebene Machtposition.

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Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) tritt den philosophischen Lehren von Descartes und Spinoza entgegen. „Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist nur ein gradueller; alle Lebewesen bestehen aus der gleichen Grundsubstanz – aus den gleichen Grundstoffen, von Gott erschaffen, empfindsam und beseelt sind sie sich in wesentlichen Zügen gleich.“ Insofern resultiert aus den Gedanken Leibniz` eine Annäherung zwischen dem menschlichen und tierischen Leben.

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Fortsetzung folgt

“Aurignacien” nennt man die Kultur…

…der jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum) vor vierzigtausend Jahren; sie steht für die Ausbreitung des „anatomisch modernen Menschen“ in Europa. Namensgeber ist ein Felsabriss bei Aurignac (Haute Garonne, Frankreich), wo erstmals Steinwerkzeuge zusammen mit altersbestimmbaren Tierknochen gefunden wurden.

 Grotte de Pech-Merle; Cabrerets/Vallée du Célé

Magdalenien – archäologische Kulturstufe im jüngeren Abschnitt des Jungpaläolithikums in Mittel- und Westeuropa am Ende der letzten Eiszeit (vor etwa fünfzehntausend Jahren); sie erhielt ihren Namen von der Höhle La Madeleine im Departement Dordogne in Frankreich.

Wir fassen zusammen:

Vor rund dreihunderttausend Jahren begann der Mensch zu denken; also nicht mehr nur Instinkt, der sich darauf beschränkte, lebens- und arterhaltendes Verhalten zu zeigen – die „ererbte Fähigkeit aus der Tierzeit“. Danach hat es rund zweihunderttausend Jahre gedauert, bis der Mensch begriffen hat, dass er sein Denken nutzen kann – u. a. für die Entwicklung seiner Sprache.

Und es entstanden Begriffe wie Jagd- und Wandertrieb, Leittier, aber auch „listig sein“…

Und so ist es geblieben

Schauen wir uns die Gemeinsamkeiten von Mensch und Tier an: Kampf oder Flucht; Hunger, Durst, Paarung, Nestbau, Familie, Liebe, Fürsorge. – Heute noch ist jedes Tier ist in seiner Welt autark („sich selbst genügend, auf niemanden angewiesen“); der Mensch dagegen greift unverhältnismäßig nach ihren Ressourcen.

Und Götter? Erfunden hat sie der Mensch, doch Tiere brauchen keine; ihr Leben folgt einer „allmächtigen“ Ordnung.

„Homo sapiens“

Den „modernen“ Menschen/Jetztmensch gibt es seit ungefähr dreihunderttausend Jahren. Es waren Jäger und Sammler und die Wissenschaft bestätigt ihnen eine frühe Kulturstufe (Werkzeuge und Artefakte). Daraus entwickelte sich um einhunderttausend Jahren vor unserer Zeit der „Homo Sapiens Sapiens“, der Mensch, der denken kann – und weiß, dass er denkt.

Wir lesen nach bei einem, der es genau wissen sollte – bei Prof. Hansjürgen Müller-Beck:

„Steinzeitjäger beobachten Wildpferde, bevor sie einen Platz suchen, von wo aus sie die Tiere angreifen; dann fliegen handgeschnitzte Speere und die treffen. Denn die frühen Menschen sind Jäger und Sammler, denen auch schon eine gewisse Fähigkeit für Zeichen und Sprache zugetraut wird.“

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