Kluge Tiere – Auditorium Tag 2

Voltaire (François Marie Arouet, 1694-1778) sagt: Tiere und Menschen sind gleichermaßen beseelt und denkend, haben Vorstellungen, Willen und Gedächtnis. „Weder die Sonne, noch die Schnecke, die Auster, der Hund, der Affe oder der Mensch haben sich von dem, was sie besitzen, irgend etwas selbst geben können; damit ist offenbar, daß sie alles empfangen haben. Der Mensch und der Hund sind ohne ihren Willen von einer Mutter geboren worden, die sie unfreiwillig in die Welt gesetzt hat…. Beide saugen an der Mutterbrust, ohne zu wissen, was sie tun… Jede Kreatur hat ihren eigenen Sinn und Zweck. Jedes Geschöpf hat seinen Stellenwert.“

Foto: Señor GIF

Ausgehend von diesen Überzeugungen kritisiert Voltaire die menschliche Überheblichkeit, welche die eigene Gattung stets über andere Wesen stellt. Nur der menschliche Hochmut habe hervorgebracht, dass der ursprünglich bei Mensch und Tier gleichermaßen verwendete Seelenbegriff nun für die Tiere als “substanzielle Form“ verstanden wird, während sich der Mensch durch eine einzigartige Seele abgrenzen will .

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Julien Offray de la Mettrie (1709 –1751) stellt in seinem Werk “L`homme-maschine“ aus dem Jahre 1748 (ausgehend von vergleichenden anatomischen Studien) eine weitgehende Übereinstimmung des menschlichen und tierischen Körpers fest. Eine Hierarchie innerhalb der Lebewesen existiert für ihn nicht, je nach Untersuchungsgegenstand sind Tiere hier mehr, dort minder befähigt als Menschen. In ihrer Grundsubstanz sind beide Lebewesen gleichartig: „Der Mensch ist aus keinem kostbaren Ton gebildet; die Natur hat einen und denselben Teig verwandt..“

Aus seinen Beobachtungen des tierischen Verhaltens folgert de la Mettrie auf ein Vorhandensein von Empfindungen wie Gewissen, Schmerz, Freude und selbst Mitleid. Ihren natürlichen Gaben zufolge hält der Autor es für denkbar, dass Tiere wie der Mensch über Denkvermögen und Empfindung verfügen. Durch den Glauben an identische Empfindungsqualitäten bei Mensch und Tier gelangt er zu der Auffassung, der Mensch sei nichts anderes als ein Tier in Menschengestalt: „Denn gerade diese starke Analogie zwingt alle Gelehrten und wahrhaft Urteilsfähigen zu dem Eingeständnis, daß diese stolzen und eitlen Wesen, die sich mehr durch ihren Dünkel als durch ihren Namen “Mensch“ unterscheiden, im Grunde nichts anderes als Tiere und senkrecht kriechende Maschinen sind, sogern sie sich auch darüber erheben möchten“.

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Fortsetzung folgt

Author: Über die Klugheit der Tiere

Nach langen Wanderungen auf den Jakobswegen (siehe www.jakobsweg-der-freude.info) bin ich jetzt „Anwalt“ kluger Tiere – und am besten fühle ich mich als Teil der Natur...

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